DFG Netzwerk

Kalkulieren, Handeln, Wahrnehmen. Für eine neue Methodik der spätmittelalterlichen Wirtschaftsgeschichte

Im späten Mittelalter veränderte sich die Welt: Zahlreiche Großthesen verorten in der Zeit vom 14. bis zum 17. Jahrhundert entscheidende Weichenstellungen für die relevanten Fragen unserer Zeit. Kapitalismus, Protoindustrialisierung, europäische Weltbeherrschung oder massive Eingriffe des Menschen in die Natur nahmen im Spätmittelalter konkrete Formen an – um nur einige Beispiele zu nennen. Um diese Dynamiken besser erfassen zu können, scheint es geraten, das in letzter Zeit zunehmende gegenseitige Interesse von Kultur- und Wirtschaftsgeschichte erstens auf die Zeit des Spätmittelalters auszudehnen und zweitens zu einer konkreten, reflektierten Zusammenarbeit auszubauen.

In unserem Netzwerk sollen deshalb kultur-, sozial- und wirtschaftswissenschaftliche Zugänge zur Wirtschaftsgeschichte nicht nur abstrakt diskutiert und gegenübergestellt, sondern zu einer neuen, tiefenschärferen Methodik kombiniert werden. Dazu wollen wir uns mit fünf grundlegenden Themenbereichen beschäftigen, die die Wirtschaft als gesellschaftlichen Sektor erfassen können, nämlich Markt, Arbeit, Kredit/Geld, Konsum und Produktion/Landwirtschaft beschäftigen.

Diese Themenbereiche sollen zugleich die Kapitel in einer gemeinsam zu schreibenden Monographie darstellen, die auf diese Weise exemplarisch darlegen soll, welche Methoden wie kombiniert und angewandt werden können und welches Quellenmaterial das späte Mittelalter dafür bietet.